Schulhunde Mo und Motte

Mein Name ist Franziska Kronenbitter und ich arbeite als Lehrerin an der Goethe Realschule plus in Koblenz. Dabei unterstützen mich meine beiden Schulhunde Mo& Motte.

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Wie es dazu kam….

Im Jahr 2011 war ich auf der Suche nach einem kleinen und nicht so ungestümen Hund, der zu meiner kleinen Familie und meiner damals bereits 14jährigen Münsterländer-Hündin Smirre passte. Auf der Internetseite der Welpenstation Mallorca sah ich den kleinen Mo (damals noch Tobi), der bereits in Wuppertal in seiner Pflegestelle lebte. Er sollte etwa 2 bis 4 Jahre sein. Seine Vorgeschichte war nicht bekannt. Wir fuhren hin, wir alle beschnupperten uns. Smirre fand ihn erträglich, ich fand ihn zu klein- er fand das nicht. Er hatte uns für sich ausgesucht und sprang einfach in meinen Kofferraum. Damit war es beschlossene Sache.

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Mo hatte furchtbare Angst vor Männern. Hinzu kamen Schwierigkeiten alleine zu bleiben. Dafür musste ich mir nach dem ersten Gassi keine Sorgen machen, dass er mir davonlaufen würde: Im Gegenteil, da er eher zwischen meinen Füßen lief. Ansonsten war er ein fröhlicher und aufgeweckter kleiner Kerl, der stetig mehr Selbstsicherheit gewann.

Als Smirre starb, nahm ich Mo nach einer Weile regelmäßig an einem Nachmittag in der Woche in meine damalige 9. Klasse mit. Und war baff. Das kleine Kerlchen brachte eine solche Veränderung in die Gruppe, die ich nicht erwartet hatte. Er suchte sich immer die stillen und sensiblen Schüler aus; auch die, die zwar zappelig und unkonzentriert waren, aber trotzdem freundlich und lieb. Von diesen ließ er sich so gerne streicheln. Besorgt war ich wegen der doch schon großen und auch mal lauteren Halbstarken, doch er ignorierte sie souverän. Aber wenn sich einer ganz still verhielt, ging er auf diesen zu und ließ sich streicheln.

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Mo und ich begannen die Ausbildung zum Schulhundteam. Anfangs war ich aufgrund der vielen perfekt ausgebildeten Labradore und Retriever etwas eingeschüchtert- doch von Treffen zu Treffen bekam ich – unterstützt durch das Ausbildungsteam- viel mehr Selbstbewusstsein in die Stärken des souveränen kleinen Clowns. Denn keiner springt so schön wie er.

Zeitgleich entstand in mir der Wunsch nach einem zweiten Hund. Und der Gedanke kam, mit diesem die Therapiehundausbildung anzustreben. So sah ich mich um und kam in Kontakt mit der wunderbaren Tierschützerin Silvi auf Mallorca, die in einer Perrera die fast verhungerte Motte (damals Estrella) sah und kurzerhand mitnahm. Ich bekam ein paar Fotos, ich verliebte mich in mein Pointer- Punktemädchen mit Stupsnase, Silvi und ich telefonierten stundenlang und ein paar Wochen später stand ich im Jahr 2013 am Flughafen und holte meine Motte ab, die dann knapp ein Jahr war.

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Und das Leben änderte sich.

Motte kam mit furchtbarem Husten und Schnupfen und trotz bereits liebevoller Aufpäppelei, komplett unterernährt zu uns. Und wild wie ein Gewittersturm. Mit einem nicht zu bändigenden Jagdtrieb auf Vögel. Nicht ableinbar. Im Haus alles zerstörend.
Der Gedanke an den Therapiehund war begraben.
Motte stieg dann mit Mo und mir in die Schulhundausbildung ein. Und das war und ist das größte Glück für uns beide: Motte liebt alle Menschen von ganzem Herzen. Wie so viele Jagdhunde hat sie die sanfteste Seele, die man sich nur vorstellen kann. Sie geht auf alle Kinder und Jugendlichen mit einer fröhlichen und so liebenswerten Art zu, dass sie allen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
In der Klasse hat sie eine Aura, die schwer zu beschreiben ist. Sie strahlt einfach Freude und Liebenswürdigkeit aus, die auf die Jugendlichen abfärbt. Die Schüler, die einmal Angst vor Hunden hatten und die auch bei dem kleinen Mo noch Zurückhaltung zeigten, streicheln das Punktemädchen ausgiebig.
Zur großen Freude der Schüler zeigt Motte ihren Jagdtrieb durch ausgiebiges, straff angespanntes Beobachten der Eichhörnchen und Vögel vor den Fenstern des Klassenzimmers. Und daher geben auch alle acht, dass diese Fenster (selbst im Sommer) nur einen schmalen Spalt geöffnet sind.

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Motte liebt es zudem sehr, wenn man mit ihr spricht. Sie wedelt dann ewig mit der Rute und kuschelt sich an den Vorleser. So enstanden die Stunden, in denen ihr von Leseschwachen- oder scheuen Kindern als „ZuhörHund“ auf einem Sofa oder nur einer Yogamatte vorgelesen wird. Das sind Mottes seeligste Stunden.

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Ich möchte hier nichts verklärend beschreiben- mit meinen Hunden habe ich Höhen und Tiefen, wie es sie jeder mit seinem Hund aus der Zucht auch hat. Der Vorteil eines Tierschutzhundes ist meiner Meinung nach, dass sein Wesen schon erkennbar ist. Doch wie auch immer: Ein Hund aus dem Tierschutz ist eine gerettete Seele – ob er dann als Schulhund einsetzbar ist oder nicht.