Schulhunde Ida und Mimo

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Ich heiße Kerstin Kötz und arbeite jetzt seit 2011 mit meinen zwei spanischen Wasserhundmixen aus dem Tierschutz in meiner Klasse. Sie heißen Ida (braun * ca. 2007) und Mimo (weiß * ca. 2010), arbeiten als Präsenzhunde und sind hauptsächlich für die Empathieschulung und Motivation meiner Schüler zuständig.
Die Schule Langbargheide liegt in einem sozialen Brennpunkt in Hamburg und die Arbeit dort ist geprägt durch erhebliche soziale Probleme der Kinder. Die meisten Schüler haben Migrationshintergrund. Zu erfahren, dass Ida und Mimo auch Migrationshintergrund haben und Ablehnung, Vernachlässigung und z. T. Gewalt erfahren haben, berührt die Kinder sehr.
Sie achten sehr auf die Bedürfnisse der Hunde, nehmen Rücksicht (z.B. applaudieren sie in Gebärdensprache, damit Mimo sich nicht erschreckt) und sind zufrieden, wenn es ruhig und friedlich bei uns ist, denn dann fühlen sich auch Ida und Mimo beide wohl.
Wir haben so eine sehr gute Arbeitsatmosphäre und es wird sehr viel leichter, verhaltensauffällige Kinder zu integrieren, weil die Kinder das durch die Hunde erlangte Einfühlungsvermögen auch auf ihre Mitschüler übertragen können. Dies alles neben den bekannten positiven Schulhundeffekten 😉
Auf die Idee, mit Schulhunden zu arbeiten bin ich erst durch Ida gekommen, die ich vorher schon besaß. Einmal nahm ich sie mit auf einen Ausflug und war sehr überrascht, wie positiv sich die Präsenz eines freundlichen, ruhigen Hundes auf das Verhalten von Kindern auswirkt – und das an einem einzigen Tag! So gesehen bin ich zufällig zur Arbeit mit Schulhunden gekommen. Ich hatte einfach einen geeigneten Hund und habe mich daraufhin intensiv in das Thema eingearbeitet.
Mimo kam später dazu, auch zufällig. Er ist unsicherer und ich hatte am Anfang Bedenken. Da sich seine Furcht aber auf erwachsene Männer bezieht und er Kinder ganz besonders liebt (er hat anscheinend mit ihnen nur gute Erfahrungen gemacht…) war auch bei ihm die Eingewöhnung kein Problem. Im Gegenteil, er springt vor Glück, wenn er mit in die Schule darf.

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Die Pflegestelle, von der ich beide Hunde bekommen habe, stand dem Projekt Schulhund sehr aufgeschlossen gegenüber. Hier sind Fotos der beiden aus ihrer Zeit in der spanischen Perrera. Sie wecken immer großes Mitgefühl bei den Kindern und machen ihnen gleichzeitig Hoffnung…
Mein Eindruck nach 5 Jahren ist, dass Tierschutzhunde eher einfühlsamer und vorsichtiger mit Kindern umgehen als Hunde, die (glücklicherweise!) keine schlechten Erfahrungen gemacht haben und sich manchmal etwas wilder gebärden.
Allerdings bin ich mir sicher, dass Hunde, die Angst vor Kindern haben, ganz und gar ungeeignet für die Schule sind, da es im Schulalltag nicht immer möglich ist, alles unter Kontrolle zu haben und es im Umgang mit vielen Kindern (z.B. auf dem Schulhof) auch zu Missverständnissen in der Kommunikation zwischen Kind und Hund kommen kann. Kinder mit weniger Hundeerfahrung laufen einfach mal freudig rufend auf einen Hund zu. Würde sich dieser dann bedroht fühlen, wäre das für alle Seiten unzumutbar. Meine Erfahrung ist, dass Traumata beim Hund auch nach Jahren guter Behandlung und Erziehung noch teilweise aufbrechen. Mein Mimo hat z.B. Angst vor manchen Männern und ich muss immer darauf achten, dass wir unserem Hausmeister aus dem Weg gehen, da Mimo ihn verbellt, wenn er den Schülern oder mir schnellen Schrittes zu nahe kommt.
Zusammgefasst: Ich bin begeistert von der Arbeit mit meinen Tierschutzhunden und würde es immer wieder so machen. Die Reaktion des Hundes auf Kinder muss aber vorher immer genau beobachtet werden und er muss sehr langsam an die Schule und seine Arbeit herangeführt werden..