Schulhündin Paula

Paula

*2006 in Rumänien

Tierschutzhunde im Einsatz – ist das möglich?

Nach einem dreitägigen Aufenthalt in der Smeura im Herbst 2006, konnte Michaela Frank nicht ohne einen kleinen Welpen nach Hause fahren. Ihr zweijähriger sensibler Schulhund Buddy bekam also Unterstützung von einem kleinen, sehr selbstbewussten „Wölfchen“, namens Paula.

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Seit neun Jahren begleitet mich mein rumänisches „Wölfchen“ Paula jetzt schon. Entdeckt und auserwählt wurde ich von ihr 2006 bei meinem ersten Besuch in der Smeura, dem Tierheim des Vereins Tierhilfe Hoffnung in Rumänien. Unter 3500 Hunden fiel sie mir auf, da sie mich beim Betreten des Zwingers mit einem vorsichtigen Zwicker in meine Wade ganz deutlich auf sich aufmerksam gemacht hat.

Ich nahm sie auf den Arm und es war um uns beide geschehen! Sehr schnell bemerkte ich, dass Paula was ganz besonderes ist. In den letzten 55 Lebensjahren hat mich immer ein Hund begleitet, aber einen Hund wie Paula hatte ich noch nie. Inzwischen nach komplettem Eintauchen in den rumänischen Tierschutz und 23 Reisen in dieses Land, weiß ich, dass zahllose rumänische Hunde wirklich ganz besondere Geschöpfe sind!

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Noch nie hatte ich einen Hund, der von sich aus so intensiv und dauerhaft den Körperkontakt zu seinen Menschen sucht. Ihr auffallend emphatisches Verhalten und Erspüren von Befindlichkeiten ihrer Menschen kannte ich von einem Hund so extrem nicht. Aber „ihr eigenes Köpfchen“ behielt sie immer, zu einem „dressierten Äffchen“ ließ sie sich absolut nicht erziehen.

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Bei den späteren Einsätzen in der Schule konnte es immer wieder sein, dass Paula bei Wiederholung von Übungen deutlich anzeigte, dass es nun Zeit für einen andere Aufgabe wäre. Schnell war mir klar, dass Paula der geeignete Hund für intensiven Kontakt zu Menschen ist!

Als Sonderschullehrerin nahm ich sie zunächst für einzelne Stunden mit in die Schule und besuchten gemeinsam mit ihr und den Schülern immer wieder ein Seniorenheim. Sehr bewusst wurde mir die Verantwortung, die man als Hundehalter und Partner einem so sensiblen Tier gegenüber hat. Mit meiner vorherigen Hündin Sally durfte ich in der Schule für Erziehungshilfe, in der ich arbeitete, immer wieder erleben, welche positiven Entwicklungen ein Hund bei Kindern und Jugendlichen auslösen kann. So habe ich beschlossen mit Paula die Ausbildung zum Therapie-Hunde-Team in Münster bei Socialdogs zu machen.

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Zu Beginn wurden wir als das einzige „Köter-Team“ unter 12 Goldi-Labi-Teams etwas skeptische beäugt. Da Paula wohl ihr Aussehen von einem Urururur-Opa Wolf vererbt bekommen hat, entspricht sie auf den ersten Blick nicht dem klassischen Knuddelhund. Aber gegen Ende der Ausbildung hieß es dann immer wieder „für Paula ist das sowieso kein Problem“. Jetzt klinge ich wie eine stolze „Hundemenschenmama“.

Zugegeben, mein Paulchen ist was ganz besonderes und einzigartiges für mich! Inzwischen spreche ich sie ab und zu sogar übertrieben respektvoll mit „Frau Paula“ an und akzeptiere ihre divaähnlichen Allüren!

Die Frage, ob man auch aus einem Tierschutzhund einen Schul- oder Therapiehund machen kann, beantworte ich mit einem überzeugten JA!

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Das gilt natürlich nicht für Jeden. Doch auch nicht jeder Rassehund eignet sich dafür – selbst „Labi oder Goldi“! Bei den zahlreichen Besuchen in rumänischen Tierheimen sind mir sehr viele Hunde begegnet, die bestens sozialisiert und höchst geeignet für eine solche Aufgabe wären. Hinzu kommt, dass unsere Rassehunde häufig überzüchtet sind und oft deshalb bereits in frühen Jahren erkranken. Warum Hunde züchten, wenn es doch auf dieser Welt und auch innerhalb der Europäischen Union bereits so viele geborenen Welpen mit tollen Eigenschaften gibt.

Ich weiß, jetzt bricht der mir inzwischen sehr wichtig gewordene Tierschutzgedanke durch. Ich verspreche Ihnen, unter den vielen Hunden in Rumänien kann Jeder das für ihn geeignete Tier finden – mit Tierschutz!
Bei meinem letzten Besuch in der Smeura im August 2014 lebten dort 1500 knuffige gesunde Welpen! Diese Auswahl müsste genügen!

Das Arbeiten mit Paula ist immer ein wunderschönes Erlebnis und sie hat dabei sehr viele Kinderseelen erreicht und berührt. Zudem war sie an der Entstehung unserer Schülerfirma kids4dogs maßgeblich beteiligt und hat die Schüler immer wieder motiviert diese Arbeit für ihre rumänische „Verwandten“ engagiert weiter zu verfolgen.

2008 2009 mit Paula Klassenfoto

Der Besuch des SWR und die Aufnahmen für den Film – Seelentröster – Tiere als Co-Therapeuten- bei uns an der Schule waren für alle Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis.

Ich kann jeden Interessierten nur dazu ermuntern, sich auf dieses Erlebnis und die dazugehörige Reise voll und ganz einzulassen. Allerdings darf man niemals die Verantwortung vergessen, die man bei der Entscheidung für ein Lebewesen eingeht. In jedem Fall ist eine qualifizierende Ausbildung für Mensch und Tier wichtig!

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Mich persönlich hat mein Therapiehund Paula in den letzten Jahren oft getröstet, mich zum Lachen oder Verzweifeln gebracht, mir die Nachtruhe geraubt (Paula ist extrem nachtaktiv), mich mit dem rumänischen Tierschutzvirus infiziert und mir ihr Heimatland und deren Menschen sehr nahe gebracht!

Weitere Informationen über die Arbeit von Paula finden Sie auf unserer Homepage www.kids4dogs.de.

Bei Fragen dürfen Sie mich gerne unter m.m.frank@t-online.de kontakten.

April 2016, Michaela Frank