Schulhündin Lollipop

basis150509p-9 - Kopie

*2010 in Rumänien

Nachdem meine Schulhündin Sandy im Sommer 2013 an einem Schulddrüsentumor verstorben war, schaute ich immer wieder im Internet nach einem zweiten Schulhund, der wieder aus dem Tierschutz sein sollte. Da meine andere Schulhündin Bea eine etwas unsichere Hündin ist und immer wieder Probleme mit anderen Hündinnen hat, war klar, dass ein ca. 1-2-jähriger Rüde bei uns einziehen sollte.

Aber immer wieder kommt es anders als man denkt….

Durch einen inserierten Rüden von der Organisation 4Animals bekam ich Kontakt zu Frau Ohler und besuchte nach einem intensiveren, netten Mailkontakt die HAST in Essen um mir neue Hunde aus der Smeura anzuschauen. Lollipop hieß damals noch Lea, war bereits reserviert und durch die Fahrt so traumatisiert, dass sie sich, im Gegensatz zu den anderen Hunden, nicht aus ihrer Hütte traute.

Irgendwie sprach sie mich trotzdem an und ich bekundete mein Interesse an ihr, falls sie doch nicht vermittelt werden sollte. Das Glück war auf meiner Seite, da bei einer Untersuchung Hautwürmer und Hepatozoonose  bei Lea/Lollipop festgestellt wurden und die Interessenten sie deshalb nicht mehr haben wollten. Beide Krankheiten sind aber nicht auf den Menschen übertragbar und somit kein Ausschluss für den Einsatz in der Schule.

Als ich Lolli  einige Tage später wieder in Essen besuchte, zeigte sich, dass mein Bauchgefühl scheinbar wieder gut funktioniert hatte. Sie zeigte sich als ein sehr sanfter und total menschenorientierter Hund – nur mit den großen schwarzen Stehohren hatte ich überhaupt nicht gerechnet, da sie ständig eingeklappt waren….

Ein Hund aus Rumänien

Lollipop wurde ca. im Mai 2010 in Rumänien geboren und am 12. November 2013 eingefangen und in die Smeura gebracht.

Smeura 2 2014 - kl2

Am 20. Juni 2014 kam sie zusammen mit einigen anderen Hunden aus der Smeura nach einem langen Transport in der HAST in Essen an und lebt seit dem 10. Juli 2014 bei uns in Iserlohn. So zog also trotz aller Vorüberlegungen und Bedenken doch wieder eine Hündin bei uns ein…. Und sie war nicht ein Jahr, sondern bereits 4 Jahre alt!!

Eingewöhnung

Wie ich schon während der mehrfachen Besuche und Spaziergänge in Essen festgestellt hatte, war Lollipop von Beginn an eine sehr sanfte und super leinenführige Hündin und das hat sich auch nicht geändert, so dass meine kleinen Enkelkinder sie begeistert an der Leine führen (…wenn ich die Oberaufsicht habe). Sie war von Beginn an stubenrein und hat nie etwas in der Wohnung kaputt gemacht. Evtuell besaß sie doch schon einmal ein Zuhause, da sie ja in den letzten Monaten nur in der Smeura und in der Hast gelebt hat. Jedes Mal wenn sie draußen ihren Kot absetzt, ist sie scheinbar auch heute noch so erleichtert, dass sie vor Begeisterung blitzschnelle Haken schlägt und man an der Leine aufpassen muss.

Wie bereits in der HAST, sucht Lollipop immer wieder den Kontakt zu allen Menschen und lässt sich gern ausgiebig kraulen, was bei ihrem weichen, kuscheligen Fell besonders den Schülern super gefällt. Auch in fremden Klassen geht sie selbstständig und sanft auf alle zu und lässt sich stundenlang ausgiebig streicheln und kraulen. Auf der Kuscheldecke bleibt sie liegen und erwartet den nächsten Schüler, wenn einer sie verlassen hat. Es zeigte sich, dass Lollipop in allen Altersgruppen einsetzbar ist, vom Kleinkind bis zu den Bewohnern eines Seniorenheimes.

Die Kommunikation im Alltag bereitete von Beginn an kaum Probleme, da Lollipop sehr sensibel auf die Stimme und die Körperhaltung reagiert. Auch die Umstellung auf unser Futter war völlig problemlos.

Aber natürlich gab und gibt es auch heute noch Problempunkte, an denen gearbeitet werden musste oder immer noch gearbeitet wird.

Schon die Fahrt von Essen nach Iserlohn zeigte, dass Lolli nicht durch Leckerchen und liebe Worte zum Einsteigen ins Auto zu bewegen war, so dass sie schließlich gepackt und in die Box gesteckt werden musste … Dieses Problem konnte in den nächsten Monaten auch mit einer Minischrittannäherung und sehr kurzen Fahrten zu tollen Aktionen nicht wesentlich behoben werden. Ich sah das Projekt „Schulhund“ mit ihr schon sterben und entschloss mich nach ca. einem halben Jahr, dass sie einfach Auto fahren muss, da es im Alltag nicht ohne geht…

So packte ich sie einige Male in die Box und fuhr mit ihr zur Schule. Beim 3. und 4. Mal lernte sie einige Schüler kennen, die eigentlich von einer Kollegin unterrichtet wurden und schon lange sehnsüchtig auf sie gewartet hatten. Lollipop und die Schüler waren begeistert voneinander! Die Hündin ging offen auf die Schüler zu und ließ sich ausgiebig von allen streicheln. Als wir schließlich wieder zum Auto kamen und ich die Tür aufmachte, sprang Lollipop einfach hinein und machte es sich in ihrer Box gemütlich…! Von diesem Tag an war das Autofahren kein Problem mehr!

Wo kam dieser Wandel her?? Ich vermute die Fahrt von Rumänien nach Essen war für Lollipop ein total traumatisches Erlebnis. Noch heute reagiert sie hysterisch mit rennen und bellen auf bestimmte Kleintransporter, so dass sie zur Sicherheit fast immer an der Leine laufen muss. Vielleicht hat sie in der Schule endlich begriffen, dass wir beide immer wieder nach Hause zurückfahren…!?

Der nächste größere Knackpunkt war die Vergesellschaftung meiner beiden mittelalten, nicht sehr souveränen Hündinnen. Bea war durch Lollis Anwesenheit völlig verunsichert und Lollipop durch ihre Erlebnisse auch nicht besonders sicher. Dummerweise haben beide auch die Angewohnheit, bei Problemen mit Hunden blitzschnell nach vorne zu schießen…. Wie gut, dass es bei beiden wenigstens mit unserem Kater gut lief!

_AGS7486 - kl

In Essen waren Spaziergänge mit etwas Abstand möglich gewesen, aber im Haus wollte ich natürlich nichts riskieren, da Bea auch fast doppelt so schwer ist wie Lollipop. So wurde zunächst provisorisch ein Gitter in die Tür zum Arbeitszimmer eingebaut, was wir später durch ein Kinder-Sicherheitsgitter ersetzten. Eine Keilerei im Garten nach vier Wochen machte den Traum von einer schnellen Annäherung der beiden Hündinnen aber zunichte. So gingen wir noch einmal ein paar Schritte zurück, haben stressige Situationen für beide immer wieder präventiv entschärft und im September 2015 konnte ich zur Freude der Schüler problemlos mit meinen beiden Schätzchen und meiner Klasse auf Klassenfahrt auf einen Selbstversorger-Ponyhof fahren.

Welche Probleme sind auch nach über 18 Monaten noch geblieben?

Lollipop hat nicht nur Probleme mit bestimmten Transportern, sondern auch mit sehr schnellen Fahrrädern ( wir wohnen an einem kleinen Berg…), manchen Joggern und manchen Menschen in Arbeitskleidung. Da ich das aber weiß, geht sie immer an der Leine und schießt kaum noch nach vorn, da ich präventiv die Aufmerksamkeit auf mich lenke und sie für angemessenes, leises Verhalten mit Markerwort und Leckerchen belohne.

Als Lollipop bei uns einzog, ignorierte sie viele Hunde und nahm zu einigen vorsichtig Kontakt auf. Heute findet sie einige bekannte Hunde toll und bei einigen ist Management gefragt.

Schuleinsatz

Der Einsatz von Lollipop in der Schule hat sich seit Anfang 2015 immer weiter entwickelt und sie kommt sehr gern mit in die Schule und lässt sich besonders gern streicheln. Immer wieder legt sie sich einzelnen Schülern zu Füßen, um sich durchknuddeln zu lassen. Ohne Probleme sucht sie aber auch selbstständig ihren Ruheplatz auf und schläft entspannt im Unterricht.

Lolli streicheln - kl

Mittlerweile kann sie auch bei den Schülern kleine Kommandos ausführen, aber bei zu viel Aktion zieht sie sich lieber auf ihren Ruheplatz zurück. Problemlos und sicher agiert sie mittlerweile auch in anderen Klassen – Hauptsache es sind genug streichelnde Hände da und die Schüler gehen rücksichtsvoll mit ihr um. Lollipop nimmt natürlich auch gern einmal ein Leckerchen, aber die primäre Belohnung ist für sie immer der enge Kontakt zum Menschen!

Sie war wirklich ein Glücksgriff für meine Arbeit! Trotz der vier unbekannten Jahre in ihrem Leben – oder gerade deshalb…!?

Lollipop klein  DSC02688 - Kopie