Schulhündin Fresa

Fresa

Fresa gehört Anne Gierten aus Niederprüm, wurde vermutlich Ende 2011 geboren und mit ca. einem Jahr völlig abgemagert in Spanien auf der Straße gefunden, während sie im Müll nach Futter wühlte….
Trotz ihrer offensichtlich schweren Zeit, hat Fresa ihren fröhlichen und offenen Charakter bewahrt. Inzwischen geht sie mit einer großen Unbeschwertheit durchs Leben und die trägt sie auch mit in die Schule hinein. Ich bin Förderschullehrerin und arbeite im inklusiven Unterricht an der Bertrada-Grundschule Prüm.

Die Suche nach dem passenden Charakter

Ich muss gestehen, dass es nicht so einfach war, den richtigen Hund zu finden. Schon seit einigen Jahren fand ich die Idee meinen Hund im Unterricht einzusetzen sehr spannend. Mit meinem Ersthund, der ebenfalls aus dem Tierschutz kommt, platzte dieser Traum vorerst, da dieser aufgrund seiner großen Stressanfälligkeit für den Einsatz in der Schule einfach nicht geeignet war. Der Gedanke ließ mich aber weiterhin nicht los. Im Herbst 2012 entschloss ich mich, auf die Suche nach einem Zweithund zu gehen. In den umliegenden Tierheimen und in deutschen Pflegestellen, fand sich leider kein geeigneter Kandidat. Zahlreiche Tierschutzvereine aus dem Ausland boten Hunde auf ihren Homepages an. Über viele dieser Hunde war wenig bekannt und oft traf ich mit meinen Fragen zu den Eigenschaften des Hundes auf viel Unverständnis. Mehr als einmal bekam ich Pauschalantworten zu hören, wie: „Die Hunde aus dem Süden sind alle sehr sozial. Sie sind so unglaublich dankbar, dass sie gerettet wurden…“ In diesen Fällen verabschiedete ich mich dann höflich und suchte weiter. Nach etwa einem halben Jahr schien ich endlich einen passenden Hund entdeckt zu haben. Eine Hündin aus Spanien, die dort auf einer Pflegestelle lebte und ihr Herrchen täglich zur Arbeit in einem Altenheim begleitete. Als ich den Tierschutzverein „pro hund andaluz“ anrief, erfuhr ich, dass genau diese Hündin bereits vor ein paar Stunden reserviert wurde. Man empfahl mir eine optisch ähnliche Hündin und war ehrlich erstaunt, als ich sagte, dass mir das Aussehen des Hundes weitgehend egal sei, sondern, dass ich auf der Suche nach einem Hund mit ganz bestimmten charakterlichen Eigenschaften bin. Die Vermittlerin bot mir an, unter ihren Schützlingen nach einem passenden Hund zu suchen. Einige Zeit später erreichte mich ihr Anruf: „Wenn ihnen das Aussehen völlig egal ist, dann habe ich hier IHREN Hund. Sie heißt Fresa!“ Sie schickte mir einige Videos von einem völlig abgemagerten Hund an dem statt Fell eher blonde Flusen hingen, durch die man Haut und Knochen sehen konnte:

https://www.youtube.com/watch?v=T9Xn6lgTPJc

Zuhause und in der Schule

Im Februar 2013 kam dieses Häufchen Elend bei uns an. Die Finderin des Hundes aus Spanien gab mir noch einen letzten Hinweis mit auf den Weg „Be careful with food!“ Tatsächlich stahl Fresa in der ersten Zeit alles Essbare, was nicht hinreichend gesichert war. Sie ergatterte Ostereier, Hustenbonbons und wühlte im Müll. Wir mussten sie von unserem Ersthund getrennt füttern. Mit der Zeit lernten wir alles sicher zu verstauen und Fresa wurde mit einem immer vollen Magen etwas gelassener.
Die Eingewöhnung an die Schule verlief erfreulicherweise absolut problemfrei. Auch wenn Fresa nie Futter gegenüber Menschen verteidigt hat, habe ich mir im Vorfeld überlegt, wie ich eine solche Situation im Klassenzimmer sicher vermeiden kann, denn die Erfahrung einmal Hunger gelitten zu haben sitzt einfach unauslöschlich tief in Fresa. Die Schüler verstauen deshalb alle Lebensmittel aus ihrem Schulranzen in einer Box vor der Klassentür. Außerdem arbeite ich mit recht niederwertigem Futter zur Belohnung im Unterricht. Ansonsten ist Fresa so übermotiviert, dass sie sich nicht mehr konzentrieren kann. Das empfinden die Schüler sogar eigentlich als Vorteil, denn dieses Futter riecht nicht unangenehm. 😉 Mit ein bisschen Planung ist das „Problem Futter“ so in der Schule gar kein Problem mehr.
Ich habe es nie bereut, mich auf die Erfahrung der Vermittlerin des Tierschutzvereins verlassen zu haben. Sie hat wirklich genau den richtigen Hund ausgesucht. Sie bringt immer so viel Fröhlichkeit mit ins Klassenzimmer. Gleichzeitig sind die Kinder immer sehr bewegt von Fresas Geschichte. Ich finde es schön, dass die Schüler durch sie lernen können, dass auf eine schlechte Zeit im Leben auch wieder eine gute Zeit folgen kann. Das gibt Hoffnung, wenn es ihnen selbst einmal nicht gut geht. Durch Fresa können die Kinder erleben, wie wertvoll jedes Lebewesen ist.

Weitere Infos unter:
Schulhund Fresa
Konzept Fresa